Samstag, 3. Dezember 2016
Im Flautenfeld
Nachdem wir die Kaltfront durchfahren haben, hatten wir die Hoffnung, dass sich das dahinterliegende Windfeld als beständig erweist und uns Richtung Süden zu den Passatwinden bringen soll. Leider ist dem nicht so und wir dümpeln nun den zweiten Tag im Flautenfeld. Gerade versuchen wir so weit, wie möglich nach Süden zu kommen. Wer kennt nicht die Mär vom Topf mit Gold am Ende des Regenbogens. Man muss nur da hin fahren........

Unsere Ankunft in St. Lucia verschiebt sich nun und wir rechnen erst am 13.12 oder 14.12 anzukommen. Wie hat der Skipper es treffend zusammengefasst: Proviant und Einstellung paßt !

Wir haben uns als Crew einfach den Gegebenheiten angepaßt und nutzen intensiv die Zeit für alle möglichen Dinge. Gerade, während ich dies schreibe schlägt Michael unserem Bordbäcker Horst vor, ein Sonnenblumenbrot zu backen. Dieser nimmt das begeistert auf, liest aber erst mal weiter. Wir befinden uns hier in einer zeit- und raumlosen Umgebung. Irgendwann wird er es machen und dann steht das Brot dampfend und duftend vor uns. Horst hat sich nämlich an seine WG-Zeit vor ca. 40 Jahren erinnert und bäckt uns inzwischen hervorragende (!) Brote. Für morgen, 2. Advent, hat sich die Crew Sesamsemmeln mit Monogramm gewünscht, mal schauen, was draus wird.....

Wasser ist genügend da und bisher gab es auch noch kein Gericht aus unserer Pantry zweimal, ausgenommen das Morgenmüsli und der Kaffee. Sogar Konservendosen sind noch nicht angetastet worden.

Uns geht es also sehr gut und wir geben uns den natürlichen Gegebenheiten hin.



Wie segeln wir auf der Charisma während der ARC 2016?
Bei den Vorbereitungen sprach man von Champagnersegeln, heißem Teakdeck, achterlichem ständigen Passatwind und einigen Squalls. Laue Mondnächte runden das Bild ab. Na ja, das stimmt ja wohl bisher kaum.

Zuerst findet diese ARC aufgrund des Termins hauptsächlich bei dunklen Nächten statt. Vollmond hatten wir beim ersten Sundowner ins Las Palmas und werden ihn erst wieder in der Karibik haben.

In den ersten 24 Stunden nach dem Start konnten wir fantastisch Spinnakersegeln, anschließend haben wir die Genua ausgebaumt und sind im Sinkflug mit vollem Groß dahingerauscht. Dies ging 4 Tage und Nächte mit Windstärke 6-7 und Wellen mit 3 bis 4 m Höhe.

Die Nächte waren der Hammer ! Voll konzentriert auf den Kompass und die Windanzeige rauschen wir so dahin und prägen den Ausdruck Bärenar...segeln :-)

Das Flautenloch südlich von den Kanaren umschiffen wir erfolgreich und kommen sehr gut voran, weil wir uns in der nördlichen Route aufhalten. Andere Schiffe fahren hinein und fangen an zu motoren. Inzwischen sind mindestens 6 Schiffe nach den Kapverden abgebogen, da sie Diesel benötigen. Was für eine Kurzsichtigkeit ! Bei uns an Bord wird natürlich nur gesegelt !

Wer uns also im Tracker verfolgt, sieht andere Schiffe vor uns in der Plazierung. Nach der Ankunft müssen diese jedoch ihre Motorstunden angeben und werden entsprechend zurückgestuft. Wo wir dann stehen werden, ist rein spekulativ.

Nach dem Rauschen hat uns dann aber doch, passend zum 1. Advent, die Flaute erwischt. Was ist unsere Reaktion ? Genießen und feiern :-)

Da wir eh nichts machen konnten, haben wir die Segel eingeholt und uns treiben lassen. Ankern konnten wir nicht, da an Bord der Charisma nicht ausreichend Kette vorhanden ist. Normalerweise nimmt man ja das 3-5 fache der Wassertiefe, was bei 2.000 m Wassertiefe einfach zu rechnen wäre......

Mittags gab es einen Rinderschmorbraten ( kein Gag ! ) und der Skipper öffnete das Weinschap. Das war ein Traum ! Wir brauchten nicht viel und waren direkt beseelt.

Michael holte noch seine Gitarre raus und vollendete das Ambiente - ein Traum !

Morgens um 06:00 Uhr spürte der Skipper die erste Brise und anschließend gingen wir wieder in den Regattamodus zurück.

Na ja, nicht ganz. Nebenbei schmiss ich mal wieder die Angel raus und genau um 09:15 kam der erste Fisch an Bord ! Eine Goldmakrele, ca. einen halben Meter lang :-)
Absolut einfach ihn an Bord zu holen und in unsere Fisch-Supply-Chain einzugliedern: Christoph fängt - Peter holt ihn mit dem Kescher an Bord - Genickschlag - Dirk nimmt aus und filettiert - Michael bereitet zu und alle essen begeistert - halt perfekt organisiert in dieser Crew. Die zweite Goldmakrele kam direkt zwei Tage später.

In den nächsten zwei Tagen nach dem 1. Advent fühlten wir uns in die Trans Ocean versetzt. Dort ist ein beherzter Anwindkurs mit viel Schräglage ja üblich, aber auf der ARC ? Heftiger Ritt mit viel Schräglage und viel Speed. Nur die Leetoilette war benutzbar und für jeden Gang braucht man das Doppelte der normalen Zeit.

Anschließend gab es wieder zwei Tage mit schönem einfachen 3-5er Wind, bis uns die Flaute wieder für 24h packte. Jetzt geht es gerade wieder mit Rauschewind (5bft), raumschots und Spinnaker in den Sonnenuntergang hinein.

Überhaupt ist hier die Aussicht zu jeder Zeit fantastisch. Egal ob nachts mit einem grandiosen Himmelszelt, tagsüber mit den schönsten Wolkenformationen oder beim Sonnenuntergang, wenn die Sonne in den Atlantik plumpst - Einfach grandios die Natur.