Freitag, 25. November 2016
Das Fischen
Meine Vorbereitungen für das Angeln während des Törns hatte ich ja vorher schon beschrieben. An Bord hat die Crew auch bereits einen leichten Erfolgsdruck aufgebaut. Der Küchenchef hat Sesam eingekauft und das Filetiermesser ist geschärft. Aufgrund der eingeschränkten Kühlmöglichkeit an Bord ist auch nicht soviel Fleisch eingekauft worden. Es wäre also alles bereit für Sushi, in der Pantry zumindest.

In der Vorbereitungswoche wurden schon Wetten abgeschlossen, bei welchem Seemeilenstand der erste Fisch von mir an Bord geholt wurde. Es gab Optimisten mit 132 sm und nicht so ganz optimistische Vertreter mit 1230 sm. In einer Vorbereitungsveranstaltung der ARC sprach man von ca. 1.000 sm für den ersten Fisch, verbunden mit der Weisheit "Große Köder - große Fische / kleine Köder - kleine Fische"

Im lokalen Angelgeschäft habe ich mich noch schnell mit einem lokalen Köder versorgt, von dem der Verkäufer besonders schwärmte. Er wirkte relativ groß, aber das wird schon klappen, dachte ich mir.

Nach dem ganzen Gewusel am Start ging ich dann frohen Mutes an das Werk und schleppte fröhlich in dem ganzen Regattafeld und noch unter Landsicht meinen neuen Köder hinter mir her. Nach 20 Minuten kam der erste Biß. Wow, das geht aber schnell, nur noch an Bord holen. Plötzlich war der Fisch weg, da saß der Haken wohl nicht richtig. Also wieder raus damit, auf ein Neues. Das Boot wurde direkt in den Fischempfangsmodus gesetzt, der Kescher hochgeholt, die Pütz bereitgestellt und Horst, der Optimist freute sich schon.

Dann kam der zweite Biß und der kam kräftig ! Die Bremse rauschte durch und ich gab dem Fisch erst mal Raum zum Toben. Dann stellte ich die Bremse stärker ein....noch stärker......es rauschte weiter aus. Als die Bremse auf 100% stand und der Fisch weiter abhaute, kamen mir doch leichte Zweifel, ob das noch mein Kaliber ist.

Die Charisma rauschte ja mit Spinnaker unter 8 Knoten, also fast Rumpfgeschwindigkeit, dahin. Den Versuch Constantin und die Crew zum Beidrehen zu überreden, habe ich nach Bruchteilen von Sekunden verworfen. Inzwischen war die Angelschnur gespannt wie eine Klaviersaite und ich musste mich entscheiden zwischen dem Risiko eventuell die ganze Schnur zu verlieren oder jetzt die Schnur zu kappen. Also kappte ich die Schnur und der Fisch hatte gewonnen.

Nach unseren aktuellen Schätzungen war dies mindestens ein 1 Meter langer Thunfisch, oder so ;-)

Nun habe ich schon ein paar weitere Versuche getätigt, aber bisher noch kein weiterer Biß. Ja, die Köder sind kleiner geworden......

Wie wir mit dieser harten Situation ohne Sushi in der Küche auskommen, erzähle ich demnächst.



Donnerstag, 24. November 2016
Der Start und die ersten Tage
In den Tagen vor Sonntag konnte man schon feststellen, dass alle Crews im Hafen sich irgendwie schneller, ja teilweise sogar hektisch bewegt haben. Woran das wohl gelegen haben mag ?

Am Sonntag ging es dann für uns und die anderen 220 Boote los. Gestartet wurde in drei Blöcken, zuerst die Multihulls, dann die Racer und anschließend wir in der Cruising Division mit ca. 150 weiteren Booten.

Um 11:30 Uhr legten wir also ab und fädelten uns zuerst in die Parade aller Segler vor der Hafenausfahrt ein. Eine Kapelle spielte schöne Abschiedsständchen und wir von der Charisma begeisterten die Zuschauer mit unserer La-Ola-Welle.

Das Wetter war traumhaft, ein leichter Wind und ein bewölkter Himmel gaben die ideale Kulisse ab, einfach traumhaft. Alle an Bord waren ergriffen und haben das Gleiche gedacht: Jetzt geht's los. Endlich !

Chris Tibbs hat uns ja schon auf die Wichtigkeit des Regattastartes aufmerksam gemacht: "You must fight for every inch at the start, cause there are only 2.900 nautical miles waiting for you !"

Nach Passieren der Startlinie setzten wir also schnell den Spinnaker und der blieb dann auch schon die nächsten 24 Stunden stehen. Beim Atlantiksegeln greifen nämlich ganz andere Dimensionen.

Wir befinden uns jetzt alle in einem dreistündigen Wachrhythmus mit 7,5 Stunden Freiwache zwischendurch. Liest sich ganz locker, nur irgendwie ist hier an Bord ein Schlafvirus ausgebrochen. Nach der Wache ab ins Bett und erstmal ausruhen. Das gemeinsame Frühstück und das gemeinsame Abendessen durchbricht das Ganze. Das ist wunderbares, aber anstrengendes Segeln.

Durch geschicktes Taktieren und Interpretieren der Wetterdaten schieben wir uns ganz gut nach vorne. Wenn Ihr darüber mehr wissen wollt, geht ihr am besten in das aktuelle Logbuch von unserem Skipper, Constantin, unter www.charisma4sea.de. Bin gespannt, wie sich unsere Position weiterentwickelt.

Täglich kommt eine Nachricht von der ARC-Regattaleitung, die wir natürlich gemeinsam besprechen. Die gestrige hat uns gezeigt, dass hier kleine Fehler schnell bestraft werden können. Die Yacht Noah hatte Wassereinbruch, die Crew wurde geborgen und das Schiff wird wohl bald sinken. Zwei andere Schiffe haben Probleme mit dem Rigg und sind umgekehrt. Ein drittes hatte eine Kollision mit einem Wal, kann aber weiterfahren.

Wir segeln nach der Devise Fehler zu vermeiden und höchste Konzentration am Steuer.

So, das war's für heute. Beim nächstenmal erzähle ich was über's Fischen.



Samstag, 19. November 2016
Morgen geht's endlich los !
Diese Woche der Vorbereitung fordert wirklich die ganze Crew, aber jetzt freuen sich Alle, dass es bald los geht.

Das Boot selber hat Constantin in einem hervorragendem Zustand hergebracht. Kleinigkeiten hat dann das interne Ingenieurteam (Horst und André) in penibelster und bester Profimanier beseitigt.


Unser Küchenchef ( Michael ) hat sich mit der Menufolge und der Auswahl des besten Schinkens vertraut gemacht.

Unsere Bordband ( Michael und Gregor ) rüstet die Instrumente auf und sucht aktuell noch Songbooks in Las Palmas. Das Rahmenprogramm für die zu feiernden Feste ist in Vorbereitung.

Unser Excel-Super-User Dirk hat ein flexibles Mako für unseren Wachplan geschrieben. Wir könnten also stündlich den Wachrhythmus ändern, die Software dafür steht.


Der Druck auf den Bordfischer (Christoph) steigt stetig, weil die Küche auf den Thunfisch wartet.

Ach ja, dann werden von Constantin immer Blöcke eingeschoben, wie Wetter-Routing, Spinnakersegeln, Sicherheitseinweisung und so weiter.


Der Reporter von der "Yacht" kam vorbei und hat unseren Skipper Constantin gelöchert.


Jede Menge Obst und Gemüse wird angeliefert, penibel gewaschen und verstaut.


Zahnarztbesuche werden noch eingestreut.



Donnerstagabend haben wir fantastisch im Quilla diniert. Dort gab es nach rohem Thunfisch Lamm und Spanferkel.

Also, so eine Vobereitungswoche ist echt hart und bereitet uns aber optimal auf die Atlantiküberquerung vor.