Ankunft in St. Lucia
Gestern abend um genau 22:36 und 04 Sekunden Ortszeit passierten wir die Ziellinie.
Seitdem befinden wir uns im Projekt "Ankunft in St. Lucia" :-)
Es ist so klasse, die anderen Crews zu treffen und deren Geschichten zu hören.
Mehr davon später.
grinder am 14. Dezember 16
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Bald sind wir da....
Nachdem wir auf die Autobahn abgebogen sind, scheint es hier keine Geschwindigkeitsbeschränkung zu geben. Wir fliegen bei 7-8 bft achterlichen Wind mit bis zu 8,8 Kn dahin. Die Dünung beträgt bis zu 5 m Höhe und macht ein klares Steuern nach Kurs sehr schwer. Inzwischen haben wir das Groß komplett eingeholt und pflügen nur mit der Genua durch die See. Nachts begleiten uns die Sterne, der fast Vollmond und die lokalen Stürme, Squalls genannt.
Die Seemeilen purzeln nur so dahin und aktuell haben wir nur noch weniger als 70 Seemeilen vor uns. Unsere Ankunft in St. Lucia wird also am Dienstag morgen gegen 04:00 Uhr UTC bei Vollmond sein.
Andrea, die Frau von unserem Skipper Constantin, hält ja auch Kontakt zu unseren Daheimgebliebenen und hat uns die Aufgabe gestellt, zusammenzustellen, was für gemeinsame Eindrücke die Crew nach mehr als 3.000 sm so kurz vor dem Ziel hat.
Hier ist die kleine Zusammenstellung:
* Stolz auf das Erreichte
Wir haben gemeinsam den Atlantik per Segelboot überquert und dabei keinen einzigen Meter mit Antrieb durch die Schiffschraube benötigt. Die Platzierung ist für uns sekundär. Wir haben die Natur genossen und mit ihr gearbeitet. Unvergessen bleibt da sicher auch der 1. Advent im Flautenfeld.
* Hervorragender Zusammenhalt in der Crew und mit dem Skipper
Es gab kein böses Wort, kein Gemecker oder Streit, jeder hat angepackt und das gemacht, was er am besten kann. Alle lagen beruhigt in der Koje, egal, wer gerade am Steuer stand. Wir können uns aufeinander verlassen.
Der Skipper ist natürlich anerkannt aufgrund seiner höchsten Sachkompetenz und seiner einfühlsamen Führungsweise. Er hat diese Crew geformt und ist der beste Skipper unter dem ich je gefahren bin.
* 3 Wochen mal komplett offline zu sein, schärft die Sinne und entspannt das Hirn.
Obwohl die komplette Crew und der Skipper nicht zu den "Digital Natives" gehört, sind doch alle komplett mit Handys, usw. ausgestattet und normalerweise im Minutentakt online. Das ging jetzt einfach nicht mehr. Und, siehe da, die Welt dreht sich doch weiter ! Es geht also auch ohne.
Hilfreich war da aber auch die Rettungsleine zu Andrea, die uns sicher informiert hätte, wenn was Wesentliches passiert wäre. Sie hatte ja auch Kontakt zu unseren Familien.
* Beeindruckende Naturschauspiele
Wer hat schon kämpfende Blauwale direkt neben seinem Schiff gesehen ? Das imposante und täglich wiederkehrende Schauspiel des Sonnenuntergangs, die Weite des Atlantiks wochenlang ohne Landsicht und die Wellenberge genießen zu können. Dies sind alles Bilder, die wir nicht so schnell vergessen werden.
* Trotz aller beeindruckenden Erlebnisse und Erfolge freuen wir uns alle auf das Wiedersehen mit unseren Daheimgebliebenen und unser Zuhause.
* Freude auf das gemeinsame Feiern und den Kampf mit der Unterhopfung.
Es ist auf jeden Fall ein Hammererlebnis. Ich werde sehr lange davon zehren.
froody am 13. Dezember 16
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Auf der Autobahn - Im Passatwind
Zeit ist keine Dimension, so endete mein letzter Blogeintrag. E ist das Endes des Refrains im Lied OZEAN. Michael unser Bodbarde hat nämlich während der Überfahrt ein Lied komponiert, was auf dem aktuellen Blog der Charisma ( www.charisma4sea.de ) komplett zu lesen ist. Es drückt sehr schön die Stimmung an Bord und die Erfahrungen aus. Alle müssen jetzt den Refrain üben, dann kommen wir ganz gross raus.
Am Tag nach Nikolaus kamen wir auch in den Passatwind und fliegen nun seitdem bei 6 bft mit achterlichem Wind, ausgestellter Genua und etwas gerefftem Groß auf direktem Kurs 280° Richtung St. Lucia. Häufig kratzen wir an der Rumpfgeschwindigkeit von 8,4 Knoten. Die Dünung beträgt ca. 3-4m und das Schiff rollt stark. Die Mittagswachen sind in der prallen Sonne bei ca. 30°C heftig. Trotzdem richtig tolles Segeln ! Nun sind wir auf der Autobahn gen Ziel und jeder Tag reiht sich an den anderen, wie an einer Perlenkette.
Nachts leuchtet uns, neben der Venus auch der Halbmond bis 3 Stunden vor Sonnenaufgang den Weg - ein Traum.
Geplante Ankunft ist am Dienstag, eventuell auch in der Nacht vorher. So langsam drehen sich die Gespräche um die erste Getränkeauswahl, die erste Dusche und die zu erwartende Landkrankheit nach mehr als drei Wochen pausenlosen Segelns. Wie wird sich das Anfühlen ? Wie gleicht man eine dermaßen hohe Unterhopfung aus ?
Gerne stellen wir uns hier dem Realitätstest.
froody am 11. Dezember 16
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2.Advent und Nikolaus an Bord
Am 2. Advent wacht das Boot zur üblichen Zeit langsam auf. Die Morgenwache hat noch das Grinsen aufgrund des Sonnenaufgangs im Gesicht und die ersten anderen verschlafenen Gestalten schleppen sich nach oben und starten ihr Aufwachprogramm. Der Skipper liegt grinsend auf seinem Spinnakercanapeé, zufrieden mit dem Ergebnis der Nacht und überlegt weitere Optimierungsmanöver.
Plötzlich ist es vorbei mit der Ruhe. Eine ganze Delphinfamilie umkreist unseren Bug und fasziniert uns alle mit ihrer Geschmeidigkeit und Verspieltheit. Mindestens zehn Prachtexemplare spielen eine Viertelstunde mit unserer Welle. Ein sehr schöner Moment und die ganze Crew hängt an der Reling.
Nach dem Abzug der Delphine versuche ich wieder mein Angelglück und werde mit drei Goldmakrelen nur heute richtig belohnt. Als Abendessen gab es dann auch ein hervorragendes Thai-Curry mit Reis und frischem Fisch. Abgerundet wurde dies wieder durch unser bekanntes Wasser, Font Vella, Nordhang.
Unseren Leichtwindspinnaker "Le Bleu" mit 181 qm haben wir nun seit drei Tagen fast komplett gesetzt. In den ersten Tagen hat er uns von der Flaute "Stichwort: Das blaue Feld wabert hinter uns her" weg zum grünen, stabilen Feld gebracht. Die Farben beziehen sich hier auf die Farben der Wettervorhersagekarte ( Gribdaten). Seit heute, Nikolaus, kommen wir nach Aussagen unseren lokalen Wettergurus in den Passatwind. Es gibt ihn also doch !
Die Temperaturen steigen. Wir fahren nachts unsere Wachen nur mit kurzer Hose, T-Shirt und Rettungsweste. Heute ist das Teakdeck wirklich glühend heiß und ich habe mich zum Schreiben in den Salon verzogen. Puh, ist das heiß. Mit Befremden erhalten wir aus der Heimat so komische Nachrichten, wie: Berlin Wannsee -3°C / Landsberg am Lech, kalte Füße auf dem Weihnachtsmarkt. Wir können dies gar nicht einordnen :-)
Leider hat uns der Nikolaus nicht erreicht. Ganze Schuhbatterien waren im Salon aufgestellt, am nächsten Morgen immer noch leer, schade. Aber zum Frühstück gab es dann Pfannkuchen zur Entschädigung.
Ein weiteres Highlight war dann um 15:47 Uhr das Knacken der 1.000 sm-Grenze Restdistanz nach St. Lucia !
Ansonsten leben wir unseren Rhythmus und genießen dies - Zeit ist keine Dimension
froody am 06. Dezember 16
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A, B und Z: So einfach lebt es sich mit drei Prioritäten
An Bord der Charisma ist das Leben ganz einfach organisiert und es lebt sich so angenehm damit.
Priorität A hat alles, was mit dem Schiff und dem Fortkommen in der Regatta zusammenhängt.
Für die Crew sind das die dreistündigen Wachen, zu denen jeder ohne Murren aufsteht, egal zu welcher Uhrzeit und alle Segelmanöver, die der Skipper sich ausdenkt. (Inzwischen verstehen wir die Matrosen von den alten Windjammern, die sich hinter dem Rücken vom Kapitän zuflüstern: "Was halt der Alte jetzt wieder vor ?").
Für den Skipper ist es das stündliche Anflehen der Gribdaten auf dem ipad nach mehr Wind und die Suche nach den ominösen Passatwinden.
Priorität B hat das Wohlbefinden der Crew und auch das eigene.
Da steht natürlich die Küche und Backschaft (Spülen und Aufräumen). Die Meuterei auf der Bounty begann mit einer schlechten Pantry. Das kann bei uns aber nicht passieren. Auch das klappt wunderbar, Michael und Gregor fangen an die Menüreihenfolge zu besprechen und schon wird geschnibbelt, geputzt, geschält, geschabt und zerlegt, was erforderlich ist. Jeder packt mit an, ohne zu hinterfragen, ob man jetzt dran ist. Genauso geht es mit dem anschließenden Spülen. Toll, wie sich das eingespielt hat.
Priorität Z hat der Rest und wird also auch gerne nach hinten geschoben. Geplante Salzwasserduschen finden zwei Tage später statt, als ursprünglich geplant. Größere Blogpausen entstehen genau so. Bücher werden gelesen, oder auch nicht.
Häufig beobachten wir die unendliche Weite des Atlantiks, unserer faszinierenden Umgebung.
Wir haben ja Zeit und diesen Luxus geniessen wir an Bord der Charisma auf dieser besonderen ARC2016.
froody am 06. Dezember 16
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Im Flautenfeld
Nachdem wir die Kaltfront durchfahren haben, hatten wir die Hoffnung, dass sich das dahinterliegende Windfeld als beständig erweist und uns Richtung Süden zu den Passatwinden bringen soll. Leider ist dem nicht so und wir dümpeln nun den zweiten Tag im Flautenfeld. Gerade versuchen wir so weit, wie möglich nach Süden zu kommen. Wer kennt nicht die Mär vom Topf mit Gold am Ende des Regenbogens. Man muss nur da hin fahren........
Unsere Ankunft in St. Lucia verschiebt sich nun und wir rechnen erst am 13.12 oder 14.12 anzukommen. Wie hat der Skipper es treffend zusammengefasst: Proviant und Einstellung paßt !
Wir haben uns als Crew einfach den Gegebenheiten angepaßt und nutzen intensiv die Zeit für alle möglichen Dinge. Gerade, während ich dies schreibe schlägt Michael unserem Bordbäcker Horst vor, ein Sonnenblumenbrot zu backen. Dieser nimmt das begeistert auf, liest aber erst mal weiter. Wir befinden uns hier in einer zeit- und raumlosen Umgebung. Irgendwann wird er es machen und dann steht das Brot dampfend und duftend vor uns. Horst hat sich nämlich an seine WG-Zeit vor ca. 40 Jahren erinnert und bäckt uns inzwischen hervorragende (!) Brote. Für morgen, 2. Advent, hat sich die Crew Sesamsemmeln mit Monogramm gewünscht, mal schauen, was draus wird.....
Wasser ist genügend da und bisher gab es auch noch kein Gericht aus unserer Pantry zweimal, ausgenommen das Morgenmüsli und der Kaffee. Sogar Konservendosen sind noch nicht angetastet worden.
Uns geht es also sehr gut und wir geben uns den natürlichen Gegebenheiten hin.
froody am 03. Dezember 16
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Wie segeln wir auf der Charisma während der ARC 2016?
Bei den Vorbereitungen sprach man von Champagnersegeln, heißem Teakdeck, achterlichem ständigen Passatwind und einigen Squalls. Laue Mondnächte runden das Bild ab. Na ja, das stimmt ja wohl bisher kaum.
Zuerst findet diese ARC aufgrund des Termins hauptsächlich bei dunklen Nächten statt. Vollmond hatten wir beim ersten Sundowner ins Las Palmas und werden ihn erst wieder in der Karibik haben.
In den ersten 24 Stunden nach dem Start konnten wir fantastisch Spinnakersegeln, anschließend haben wir die Genua ausgebaumt und sind im Sinkflug mit vollem Groß dahingerauscht. Dies ging 4 Tage und Nächte mit Windstärke 6-7 und Wellen mit 3 bis 4 m Höhe.
Die Nächte waren der Hammer ! Voll konzentriert auf den Kompass und die Windanzeige rauschen wir so dahin und prägen den Ausdruck Bärenar...segeln :-)
Das Flautenloch südlich von den Kanaren umschiffen wir erfolgreich und kommen sehr gut voran, weil wir uns in der nördlichen Route aufhalten. Andere Schiffe fahren hinein und fangen an zu motoren. Inzwischen sind mindestens 6 Schiffe nach den Kapverden abgebogen, da sie Diesel benötigen. Was für eine Kurzsichtigkeit ! Bei uns an Bord wird natürlich nur gesegelt !
Wer uns also im Tracker verfolgt, sieht andere Schiffe vor uns in der Plazierung. Nach der Ankunft müssen diese jedoch ihre Motorstunden angeben und werden entsprechend zurückgestuft. Wo wir dann stehen werden, ist rein spekulativ.
Nach dem Rauschen hat uns dann aber doch, passend zum 1. Advent, die Flaute erwischt. Was ist unsere Reaktion ? Genießen und feiern :-)
Da wir eh nichts machen konnten, haben wir die Segel eingeholt und uns treiben lassen. Ankern konnten wir nicht, da an Bord der Charisma nicht ausreichend Kette vorhanden ist. Normalerweise nimmt man ja das 3-5 fache der Wassertiefe, was bei 2.000 m Wassertiefe einfach zu rechnen wäre......
Mittags gab es einen Rinderschmorbraten ( kein Gag ! ) und der Skipper öffnete das Weinschap. Das war ein Traum ! Wir brauchten nicht viel und waren direkt beseelt.
Michael holte noch seine Gitarre raus und vollendete das Ambiente - ein Traum !
Morgens um 06:00 Uhr spürte der Skipper die erste Brise und anschließend gingen wir wieder in den Regattamodus zurück.
Na ja, nicht ganz. Nebenbei schmiss ich mal wieder die Angel raus und genau um 09:15 kam der erste Fisch an Bord ! Eine Goldmakrele, ca. einen halben Meter lang :-)
Absolut einfach ihn an Bord zu holen und in unsere Fisch-Supply-Chain einzugliedern: Christoph fängt - Peter holt ihn mit dem Kescher an Bord - Genickschlag - Dirk nimmt aus und filettiert - Michael bereitet zu und alle essen begeistert - halt perfekt organisiert in dieser Crew. Die zweite Goldmakrele kam direkt zwei Tage später.
In den nächsten zwei Tagen nach dem 1. Advent fühlten wir uns in die Trans Ocean versetzt. Dort ist ein beherzter Anwindkurs mit viel Schräglage ja üblich, aber auf der ARC ? Heftiger Ritt mit viel Schräglage und viel Speed. Nur die Leetoilette war benutzbar und für jeden Gang braucht man das Doppelte der normalen Zeit.
Anschließend gab es wieder zwei Tage mit schönem einfachen 3-5er Wind, bis uns die Flaute wieder für 24h packte. Jetzt geht es gerade wieder mit Rauschewind (5bft), raumschots und Spinnaker in den Sonnenuntergang hinein.
Überhaupt ist hier die Aussicht zu jeder Zeit fantastisch. Egal ob nachts mit einem grandiosen Himmelszelt, tagsüber mit den schönsten Wolkenformationen oder beim Sonnenuntergang, wenn die Sonne in den Atlantik plumpst - Einfach grandios die Natur.
froody am 03. Dezember 16
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Die Küche an Bord der Charisma
In der Vorbereitungswoche in Las Palmas hatte sich irgendwie etwas abgezeichnet, was ich aber so nicht erwartet hatte.
Sehr früh bei der Nahrungsplanung und -beschaffung hat Michael das Zepter in die Hand genommen und Constantin hat ihn gewähren lassen - er wusste warum.
Bei unseren Restaurantbesuchen überliessen wir also Michael, der auch noch fließend spanisch spricht, die Bestellungen und es schmeckte immer köstlich. Bestellen kann er also schon mal.
Als besonderes Highlight entschlossen wir uns dann einen ganzen 5 Jahre alten Bellota-Schinken zu kaufen. Er hängt nun innen am Mast und wird täglich etwas kleiner und mundet uns hervorragend in unseren Zwischenmahlzeiten.
Bevor ich kurz einige Menüs aufzähle, muss ich erwähnen, dass diese Gerichte von Michael bei Windstärken zwischen 5 und 7 mit meist achterlichen Wind, also verbunden mit den rollenden Bewegungen des gesamten Schiffes, zubereitet werden. Wir haben echt Probleme uns beim Schlafen entsprechend zu verkeilen, trotzdem zaubert Michael in der Küche Thai-Curry mit Hühnchen und Reis, Ratatouille, Steak ( perfekt medium ! ) mit Bohnen und Nudeln mit Thunfischsoße. Zwischenmahlzeiten wie Avocado mit Kirschtomaten, Pelotoschinken und Käse werden gereicht, Chapeau !
Natürlich schnibbelt der Rest der Crew und spült ab, aber Michael müssen wir bei Laune halten :-)
Das Frühstück ist meistens ein leckeres Müsli mit frischen und sehr leckeren Mangos, Ananas und Mandarinen oder Rührei mit Chorizo, also auch abwechslungsreich.
Die Wahl des Aperitif, des Digestiv und der Weine zu den Menus ist sehr schnell gefällt. Es wird ein klares Sacalm aus der Font Vella, Jahrgang 2016, gereicht. Während der Regatta, also ca. 20 Tage , halten wir uns ohne Alkohol. Ganz ehrlich kann man das Alles hier auch besser genießen und keiner vermisst ihn. Der erste Mochito in der Karibik wird also der Hammer.
froody am 27. November 16
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Das Fischen
Meine Vorbereitungen für das Angeln während des Törns hatte ich ja vorher schon beschrieben. An Bord hat die Crew auch bereits einen leichten Erfolgsdruck aufgebaut. Der Küchenchef hat Sesam eingekauft und das Filetiermesser ist geschärft. Aufgrund der eingeschränkten Kühlmöglichkeit an Bord ist auch nicht soviel Fleisch eingekauft worden. Es wäre also alles bereit für Sushi, in der Pantry zumindest.
In der Vorbereitungswoche wurden schon Wetten abgeschlossen, bei welchem Seemeilenstand der erste Fisch von mir an Bord geholt wurde. Es gab Optimisten mit 132 sm und nicht so ganz optimistische Vertreter mit 1230 sm. In einer Vorbereitungsveranstaltung der ARC sprach man von ca. 1.000 sm für den ersten Fisch, verbunden mit der Weisheit "Große Köder - große Fische / kleine Köder - kleine Fische"
Im lokalen Angelgeschäft habe ich mich noch schnell mit einem lokalen Köder versorgt, von dem der Verkäufer besonders schwärmte. Er wirkte relativ groß, aber das wird schon klappen, dachte ich mir.
Nach dem ganzen Gewusel am Start ging ich dann frohen Mutes an das Werk und schleppte fröhlich in dem ganzen Regattafeld und noch unter Landsicht meinen neuen Köder hinter mir her. Nach 20 Minuten kam der erste Biß. Wow, das geht aber schnell, nur noch an Bord holen. Plötzlich war der Fisch weg, da saß der Haken wohl nicht richtig. Also wieder raus damit, auf ein Neues. Das Boot wurde direkt in den Fischempfangsmodus gesetzt, der Kescher hochgeholt, die Pütz bereitgestellt und Horst, der Optimist freute sich schon.
Dann kam der zweite Biß und der kam kräftig ! Die Bremse rauschte durch und ich gab dem Fisch erst mal Raum zum Toben. Dann stellte ich die Bremse stärker ein....noch stärker......es rauschte weiter aus. Als die Bremse auf 100% stand und der Fisch weiter abhaute, kamen mir doch leichte Zweifel, ob das noch mein Kaliber ist.
Die Charisma rauschte ja mit Spinnaker unter 8 Knoten, also fast Rumpfgeschwindigkeit, dahin. Den Versuch Constantin und die Crew zum Beidrehen zu überreden, habe ich nach Bruchteilen von Sekunden verworfen. Inzwischen war die Angelschnur gespannt wie eine Klaviersaite und ich musste mich entscheiden zwischen dem Risiko eventuell die ganze Schnur zu verlieren oder jetzt die Schnur zu kappen. Also kappte ich die Schnur und der Fisch hatte gewonnen.
Nach unseren aktuellen Schätzungen war dies mindestens ein 1 Meter langer Thunfisch, oder so ;-)
Nun habe ich schon ein paar weitere Versuche getätigt, aber bisher noch kein weiterer Biß. Ja, die Köder sind kleiner geworden......
Wie wir mit dieser harten Situation ohne Sushi in der Küche auskommen, erzähle ich demnächst.
froody am 25. November 16
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Der Start und die ersten Tage
In den Tagen vor Sonntag konnte man schon feststellen, dass alle Crews im Hafen sich irgendwie schneller, ja teilweise sogar hektisch bewegt haben. Woran das wohl gelegen haben mag ?
Am Sonntag ging es dann für uns und die anderen 220 Boote los. Gestartet wurde in drei Blöcken, zuerst die Multihulls, dann die Racer und anschließend wir in der Cruising Division mit ca. 150 weiteren Booten.
Um 11:30 Uhr legten wir also ab und fädelten uns zuerst in die Parade aller Segler vor der Hafenausfahrt ein. Eine Kapelle spielte schöne Abschiedsständchen und wir von der Charisma begeisterten die Zuschauer mit unserer La-Ola-Welle.
Das Wetter war traumhaft, ein leichter Wind und ein bewölkter Himmel gaben die ideale Kulisse ab, einfach traumhaft. Alle an Bord waren ergriffen und haben das Gleiche gedacht: Jetzt geht's los. Endlich !
Chris Tibbs hat uns ja schon auf die Wichtigkeit des Regattastartes aufmerksam gemacht: "You must fight for every inch at the start, cause there are only 2.900 nautical miles waiting for you !"
Nach Passieren der Startlinie setzten wir also schnell den Spinnaker und der blieb dann auch schon die nächsten 24 Stunden stehen. Beim Atlantiksegeln greifen nämlich ganz andere Dimensionen.
Wir befinden uns jetzt alle in einem dreistündigen Wachrhythmus mit 7,5 Stunden Freiwache zwischendurch. Liest sich ganz locker, nur irgendwie ist hier an Bord ein Schlafvirus ausgebrochen. Nach der Wache ab ins Bett und erstmal ausruhen. Das gemeinsame Frühstück und das gemeinsame Abendessen durchbricht das Ganze. Das ist wunderbares, aber anstrengendes Segeln.
Durch geschicktes Taktieren und Interpretieren der Wetterdaten schieben wir uns ganz gut nach vorne. Wenn Ihr darüber mehr wissen wollt, geht ihr am besten in das aktuelle Logbuch von unserem Skipper, Constantin, unter www.charisma4sea.de. Bin gespannt, wie sich unsere Position weiterentwickelt.
Täglich kommt eine Nachricht von der ARC-Regattaleitung, die wir natürlich gemeinsam besprechen. Die gestrige hat uns gezeigt, dass hier kleine Fehler schnell bestraft werden können. Die Yacht Noah hatte Wassereinbruch, die Crew wurde geborgen und das Schiff wird wohl bald sinken. Zwei andere Schiffe haben Probleme mit dem Rigg und sind umgekehrt. Ein drittes hatte eine Kollision mit einem Wal, kann aber weiterfahren.
Wir segeln nach der Devise Fehler zu vermeiden und höchste Konzentration am Steuer.
So, das war's für heute. Beim nächstenmal erzähle ich was über's Fischen.
froody am 24. November 16
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